Die Schönheit eines Augenblicks

Die Schönheit eines Augenblicks…

und sein elendes Verwelken

„Und ich weiß was für ein Wetter über der Stadt lag, in der Nacht als du mich in deine Arme nahmst und wir uns schworen uns zu behalten…“

Zwei Menschen, einsame Seelen, suchen ohne es zu wissen, sitzen auf einer Bank unter ein paar herbstlich braunen Bäumen. Der Wind weht leicht durch die Blätter und Wiesen, leichte Gänsehaut auf Haut und Herzen. Beide schweigen sich an, blicken sich tief in die Augen, wissen was sie denken, spüren den anderen atmen und wie das Herz pocht. Die Ruhe ist sinnlich, verführerisch. Heute geht es um alles, für sie, für ihn, für beide. Sie ist so traurig, du bist so traurig, ich weiß es.
Ein Blick in die Sterne sagt nichts aus, ein einzelner Blick in dein Gesicht ist alles.

„Nach dem Regen, wenn die nassen Straßen wieder trocknen, bemerkt man, dass die Sonne nicht unterging, sondern sich die Welt einfach nur weiter gedreht hat. Häufig muss es regnen, damit die langen aufgestauten Wolken sich auflösen und der Himmel wieder klar werden kann. Auch wenn es trotzdem dunkel bleibt, ist wohl ein klarer Nachthimmel angenehmer, oder nicht?
Das ist das Schöne, wenn man die Chance hat die Sterne zu sehen.“, ihre Augen glühen förmlich, Feuer brennt in ihnen. Ich habe diese Worte gehört, versteh ich sie richtig? Möchte ich sie korrekt in mein Herz lassen und damit leben.
Womit sonst?

„Es ist aus.“, nicht mehr als ein abgeschnürter Lufthauch verlässt meine Lippen.
„Es ist vorbei.“, ein Stechen im Herzen, schmerzhafter als eine heiße Messerspitze die langsam die Haut aufschneidet.
Weinen will ich, unermesslich schreien, wenn ich in das Gesicht, in diese wundervollen hübschen braunen Augen blicke.
„Ich dreh mich nun also um, du kehrst mir den Rücken zu, wir gehen! Laufen in getrennte Richtungen.“
Ich merke, dass ihr Herz bebt und ihr Atem schneller geht. Die Entscheidung ist nicht leicht für sie, doch für mich ist es ein kleiner Tot. Wohin soll ich nun?
Wohin willst du nun, welche Fehler begehst du als nächstes?

Wortloses Schweigen erfüllt die Stille, nur der Stolz und wir sind hier. Alles andere zerfließt an uns, verliert sich in mir. Irgendwo vor meinem geistigen Auge spielen sich Szenen aus vergangenen Tagen und Wochen ab, Erinnerungen an Nächte die niemanden mehr zu interessieren scheinen, nur mich und den Schmerz.
„Es hat sich nichts geändert“, sie spricht leise, ihr fehlen die Worte, das merke ich.
„Du weißt es. Ich wollte dich nicht verletzen,“ sie würde sich am liebsten umdrehen und weglaufen.
Ich würde aufstehen und ihr hinterher jagen, es nicht zulassen, so vergeblich geliebt zu haben.
Was nicht zulassen?

Da ist sie wieder, die Stimme! Die eine raue, unberechenbare Stimme, die mich seither versuchte zu belehren.
Sie wird dich verraten!
So sprach sie anfangs.
Sie wird dir wehtun!
Donnernd redete sie auf mich ein.
Und schaut dir dann nicht in die Augen.

Die Schönheit eines Augenblicks

„Warum? Beantworte es mir“, es kratzt im Hals, ich kann kaum weiter sprechen.
Sie kommt einen Schritt auf mich zu, steht jetzt direkt vor mir. Meine Hände liegen völlig regungslos auf der Parkbank, bis sie sanft meine Arme entlang streicht, bis zu den Fingerspitzen und behutsam mich nach oben zieht. Ihre zarten Hände schließen sich fest um meine. Völlig stumm schaut sie in mein Gesicht.
„Bitte. Was ist los?“
Mein letzter Versuch, hoffentlich, ein dicker Kloß steckt in meinem Hals fest. Ich denke nicht, dass ich noch mehr sagen kann.

Tränen in ihren Augen, Tränen in meinen. Von Kopf bis Fuß zittern unsere Körper, ist es Angst oder die Sehnsucht?
Du hast verloren, du weißt es.
Auch das hörte ich so oft.
Aber es stimmt doch, es gibt keine Hoffnung für euch.
„Doch die gibt es!“, schreie ich in meinen Verstand.
Wenn du nicht aufhörst, werde auch ich für dich keine Hoffnung mehr sehen!
Ich versperre dieser grässlichen Stimme den Weg zu meinen Gedanken. Möchte mich konzentrieren, es geht um mich und was ich werde.
Ihre Mundwinkel rühren sich, sie möchte etwas sagen. Sie atmet leise aus und lässt ihre Worte wieder im Verstand verfliegen.
Erst jetzt erwidere ich ihren Händedruck, war vorher nicht in der Lage dazu, meine Glieder fühlten sich wie gelähmt an.
Lass nicht zu, dass sie deinen Verstand lähmt!
Höre ich die Stimme von draußen rufen.

Ich ziehe sie näher an mich ran, bereitwillig umarmen wir uns und für einen Moment denke ich wirklich alles wird gut! Ein Happy End an diesem wundervoll sonnigen Dienstag. Ein gutes Ende für eine schöne Geschichte. Fehlt nur, dass wir gleich ein Picknick machen.
Hör auf Witze zu machen, ermahne ich mich selber. Zu ernst ist diese Angelegenheit.
Ihre Haare duften so herrlich, sie schließt mich fester in ihre Arme. Die Initiative kommt diesmal nicht von mir. Ein gutes Zeichen?
Sei kein Narr.

Wir weinen, fest gedrückt an den anderen. Zum Abschied weint man immer, es ist das Schluchzen eines verzweifelten kleinen Mädchens. Obwohl sie sonst so groß und stark ist.
„Es war nicht meine Absicht dir weh zu tun!“ flüstert sie abermals in mein Ohr.
„Deine Gefühle mir gegenüber wurden mir zu spät bewusst. Bitte, verzeih mir.“
Ich will darauf reagieren, ihr sagen, dass ich nicht böse bin, aber es fließen nur glänzende Tränen meine Wangen entlang.
Ihre Berührung lockert sich allmählich, sie schließt ihre Augen, um mich nicht leiden zu sehen. Dann lässt sie endgültig los, dreht sich um und geht langsam in Richtung eines rauschenden Baches davon.
Ob es das letzte Mal war das ich in diese großen braunen Augen sehen durfte? Kein Blick in die Sterne und kein Blick zurück ergeben jetzt einen Sinn. Was alles war ist nichts, die Vergangenheit ist alles.
Das blonde Haar wird vom Wind verweht, golden und so herrlich lang. Sie wird von der Sonne wie eine Engelsgestalt erhellt. Ich schaue ihr nach, wie sie den die alte Brücke über den Bach betritt und langsam verschwindet. Meine Sicht vernebelt sich.
Warum ist es bei mir so kalt?
Ich stehe ganz alleine da. Ein kalter unnachgiebiger Wind der Verzweiflung weht über meine Haut.

Lass uns nach Hause gehen, ja? Die Stimme der Vernunft und der Wahrheit sagt es.
Traue dir mehr zu, als du bist und verlierst du was du liebst, weißt du wenigstens noch wer du bist. Wir kommen und gehen in diesem Leben, du warst ein kurzer aber sehr emotionaler Abschnitt davon, denke ich, es kommen andere die diese Wunden lindern und heilen werden.
Die Schönheit der Chance und eines einzigen Augenblickes ist das Wunderbare, dass wir unser Leben lieben können egal wie spät und schwer es auch sein mag. Das ist hier nicht die Sonne die unter geht, sondern die Erde die sich dreht.

Lange stehe ich noch wie versteinert vor der Parkbank, im glutroten warmen Sonnenschein, in dieser idyllischen Landschaft erzeugt aus Angst und Liebe. Ich schaue dir nach. Nur dir, für immer und warte bis sich deine Silhouette irgendwo im weißen Licht verliert. Bis kein Engel mehr den Weg berührt. Meine Tränen werden trocknen und mein Herz wird es begreifen.
Ich weiß, dass sich die Welt in einigen Jahren weiter bewegt haben wird
Auf wieder sehen.
Die Nächte sind kalt, doch bald ist Frühling.

„Und ich weiß was für ein Wetter über der Stadt lag, in der Nacht in der wir nicht wussten woher wir kommen, wohin wir gehen…“

18.12.2005

fast ein Jahr später…
…die Geschichte geht weiter. Nicht viel, aber es gab mir Mut und Kraft.

Mein alter Freund liest diese Worte, er muss schlucken bevor er etwas sagen kann.
„Es gibt nur wenige Werkzeuge die Seele zu beruhigen, gar zu berühren; ich hab immer noch Gänsehaut, mein Herz klopft und ich hatte kurzzeitig feuchte Augen! Du… bist mit einer Gabe gesegnet von deren Intensität ich nicht annähernd etwas wusste!“
Er schaut mich an, nickt mir zu. Ich weiß, was er sagen will:
„Hast du ihr das jemals gezeigt?“
Ich denke nicht lange nach, um auf diese Frage zu antworten:
„Nein! Aber vielleicht eines Tages…“
Mein alter Freund nickt stumm:
„Hoffnungslosigkeit, Kraftlosigkeit, Kälte, Angst – Hoffnung, Vitalität, Mut, Zuversicht und Wärme haben mich erreicht. Du gibst Antworten auf Fragen, die man dir gar nicht gestellt hat. Antworten, die nicht gesprochen, sondern nur gefühlt werden! Danke, dass ich das lesen durfte!“

Ich schicke den Verstand auf Reisen und geh‘ nun schlafen….

Julian Alexander Post

15.12.2006
für den 11.10.2005

Weißt du was du mir bedeutest?
Auf einem platz in meinem Herz
steht dein Name an der Wand,
und ich will, dass du es erfährst.
Ich werde immer an dich glauben,
egal was auch passiert

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