Es gibt Software-Versionen, die erscheinen – und es gibt PHP 6. Die 6 ist in der PHP-Historie das Bermuda-Dreieck der Versionsnummern: Alle redeten darüber, niemand hat sie je gesehen. Kurzfassung: Es gab ab 2005 einen ernsthaften Anlauf für „PHP 6“, dessen großes Ziel native Unicode-Unterstützung war. Das Projekt geriet fest, viele Teilfeatures wanderten zurück in 5.3/5.4 – und 2010 war die Luft raus. Später entschied die Community offiziell per RFC: Der nächste große Release heißt nicht 6, sondern 7 – auch, um Verwechslungen mit Büchern und Vorabartikeln über das alte, nie erschienene „PHP 6“ zu vermeiden. Ergebnis: „PHP 7“.
Was macht PHP und warum benötigt WordPress es? Hier gibt es die Antworten.
Warum überhaupt die Nummer überspringen?
Erstens: „PHP 6“ war bereits ein bekannter, aber gescheiterter Projektname – dieses Label für etwas völlig anderes zu nutzen, hätte dauerhaft für Kuddelmuddel gesorgt. Zweitens: Man hatte unbegrenzt Zahlen zur Verfügung (die 7 stand nett lächelnd daneben). Und drittens: Die Wahrnehmung von „6“ als „gescheitert“ in mehreren Sprachen/Projekten hätte eher geschadet. Die offizielle Begründung liest sich erstaunlich pragmatisch – und ein bisschen abergläubisch, sympathisch.
Von 5.6 zu 7.x: Was sich genau geändert hat
Große Linie: PHP 7.0 ist kein kosmetisches Update, sondern ein Motorwechsel (Zend Engine 3, phpng-Umbau) mit klaren Sprachfeatures, neuem Fehlermodell und Aufräumarbeiten.
Sprach- & Syntax-Features (ab 7.0)
- Skalare Typhints (string, int, float, bool) – wahlweise „coercive“ oder strict pro Datei via declare(strict_types=1).
- Return-Type-Deklarationen.
- Null-Coalescing-Operator
??und Spaceship-Operator<=>. - Anonyme Klassen, gruppierte use-Statements, Unicode-Codepoint-Escapes in Strings,
intdiv(), Generator-Returns u. a.
Fehlermodell & Konsistenz (7.0)
- Viele fatale/„recoverable“ Fehler wurden zu Exceptions (neue Hierarchie Throwable/Error).
- Parser- und Division-by-Zero-Fehler werfen klarere Ausnahmen.
- Uniform Variable Syntax – konsequenter, aber teils BC-Breaks.
Aufräumen/Entfernt (7.0)
Veraltete Erweiterungen/SAPIs raus, prominent: mysql-Extension – Zeit für mysqli/PDO und Prepared Statements.
Sicherheit out-of-the-box (7.0)
- Kryptographisch sichere Zufallsfunktionen:
random_bytes()undrandom_int(). - Gefiltertes
unserialize()mit Whitelist/Blacklist-Optionen.
Weitere 7.x-Highlights
- PHP 7.1: Nullable Types (?Type), void, iterable, Multi-Catch.
- PHP 7.2: Argon2 in
password_hash()sowie Libsodium als Kernerweiterung. - PHP 7.4: Typed Properties, Arrow Functions (
fn($x) => $x*2), OPcache Preloading.
Performance: Was bringt’s in der Praxis?
Der große Wurf von 7.0 war phpng: interne Datenstrukturen und Hash-Tabellen wurden verschlankt, Referenzzählung optimiert – Ergebnis: deutlich weniger RAM und deutlich mehr Requests pro Sekunde. Real-World-Messungen (u. a. mit WordPress) zeigten nahezu +100 % Performance gegenüber 5.x. Offizielle Aussagen und Benchmarks sprechen von Verdopplung – ohne Codeänderung, nur durch den Engine-Umbau.
Mit 7.4 Preloading lässt sich zusätzlich Start-Overhead reduzieren – nützlich bei großen Frameworks oder CMS. Für WordPress-Shops bedeutet das: geringere TTFB, mehr Luft für Caching-Strategien und weniger Serverlast pro Seitenaufruf.
Sicherheitsplus im Überblick
- CSPRNG in Core:
random_bytes()/random_int(). - Besseres Error-Handling: Engine-Exceptions statt „leiser“ Fatal-Stops.
- Unserialize-Härtung: Klassen-Whitelist beim Deserialisieren.
- Starke Passwörter:
password_hash()mit Argon2(i/id); Sodium für moderne Kryptografie. - Altlasten entsorgt: Abschied von der mysql-Extension – willkommen, Prepared Statements via PDO/mysqli.

Was ist nun mit PHP 6?
Es war da – als Idee, als Codezweig, als Konferenzthema – aber nie als Release. Unicode im Kern hat’s nicht zur Zielgeraden geschafft; vieles wanderte zuvor in 5.3/5.4. Um Missverständnisse (und „PHP 6“-Bücher) zu vermeiden, entschied die Community 2014 offiziell: Wir springen direkt zu PHP 7. Und das hat sich ausgezahlt: sauberere Sprache, spürbarer Speed-Boost, weniger Sicherheitsblindgänger.
Kein Drama, nur eine ausgelassene Zahl mit Happy End.
Fazit
PHP 6 ist der Yeti der PHP-Welt: oft beschrieben, nie fotografiert. PHP 7 hingegen ist das Fitness-Programm, das wirklich funktioniert hat – mit gestraffter Engine, klareren Typen und besseren Schutzmechanismen. Wenn Sie noch Geschichten aus der 5.6-Zeit erzählen: schön nostalgisch – aber bitte nur am Lagerfeuer, nicht auf dem Produktionsserver.
P.S.: Mein Blog liebt Wortspiele – und schnelle Seiten. Beides wächst unter PHP 7.x prächtig.


