Zwischen zwei Träumen

Zwischen zwei Träumen

Für den Traum, die Sehnsucht und Rebellion…und…

…nur für mich, denn es stimmt, ich bin ein Träumer, ja da hast du recht. So bin ich, so lebe ich und ich kann da nichts für. Das ist mein Leben, meine Liebe, ich habe nur dieses eine und ich weiß nicht warum es so ist.
Manchmal wache ich nachts auf und frage mich nach meinem Sinn, dann habe ich das Gefühl die Sonne weint unermesslich ins Meer und manchmal will ich nicht einschlafen, weil ich Angst davor habe zu träumen und Bilder zu sehen die ich lange nicht sah, die mich traurig machen werden.

Es ist schön hier zu sein, denke ich jedes Mal, ich schaue gern bei dir vorbei. Nur dieses Mal ist es mehr als das, schwerelos ist unsere Welt, mit dir fühl ich mich frei.

Wir sitzen uns in ihrem Zimmer gegenüber, nicht nebeneinander. Der Wein ist noch geschlossen und wartet darauf getrunken zu werden. Sie schaut mich böse an, sie ist enttäuscht und ich verstehe sie. Ich habe selber jeglichen Mut verloren, jegliche Stimmung verblasst beim Gedanken an den Morgen.
„Wann wirst du abgeholt?“, fragt sie mich in einem Plauderton, völlig gefühlslos, als ob wir uns nicht kennen. Einfach nur Herzlos, denke ich noch. „Morgen in der Früh holen mich zwei Freunde ab. Vor Sonnenaufgang wollen wir unterwegs sein.“ Darauf reagiert sie nur mit einem lieblosen aha.

Ich bin kurz davor zu gehen und alles Gesagte stehen zu lassen. Bin kurz davor den Versuch zu unternehmen zu vergessen, was nicht vergessen werden kann. Bleibe aber sitzen und öffne die Flasche Wein und gieße uns ein. Ich will nicht einfach gehen. Dann blickt sie mir zum ersten Mal heute Abend in die Augen.

Egal wie du dein Leben lebst, selbstbewusst oder selbstenttäuschend, ich werde dir verzeihen.

„Ich mag dich sehr, doch du bist wirklich ein Träumer und damit kann ich nicht leben“, sagt sie mir ins Gesicht. Ihre braunen Augen strahlen und Tränen glänzen in ihnen. Sie ist fürchterlich traurig, mich los zu lassen fällt ihr nicht leicht, dass merke ich jetzt zum ersten Mal ganz deutlich und sie will es nicht und wehrt sich mit allem was sie hat gegen diese Tatsache. Doch sie wird es müssen, weil ich auf mein Herz hören muss, weil ich weiter gehen muss.

Ich möchte sagen, dass es mir Leid tut, doch für Gefühle kann man sich nicht entschuldigen. Ich bringe nur ein krächzendes „Verzeih mir“ heraus. Sonst nichts. Sie ist damit nicht zufrieden, und allmählich verstehe ich sie.
„Gerade hatte ich einen Menschen, einen Freund, einen Partner wie dich gefunden und schon gehst du wieder.“, sie schluckt und sieht mich unglücklich an, „du machst mich sehr traurig.“, sagt sie weiter. So habe ich sie noch nie vorher gesehen, es tut mir wirklich leid.

Das ist immer der Moment indem alles sinnlos scheint, das sind die Stunden, wenn man um den anderen weint.

Es schmerzt unerträglich und ich kann nicht damit leben, dass ich gehen werde, aber ich muss. Ich halte es nicht mehr aus, habe mich festgefahren und will weiter und höher fliegen. Ich habe hier einen Sinn, ich habe hier eine Reise, doch reicht es mir nicht, ich habe hier nicht meine Heimat.

Jetzt laufen ihre Tränen über die Wangen. Sie sitzt noch immer in ihrem weißen Sessel, ich stehe auf und geh um den Tisch auf sie zu, dann knie ich mich vor sie hin. Sie sieht hübsch aus, so wunderschön strahlend und heiß habe ich sie noch nie gesehen, vielleicht wollte ich das auch nicht. Vielleicht hatte ich zu sehr Angst einem Menschen zu nahe zu sein. Einem Menschen das zu geben was ich einst glaubte gefunden zu haben, um es dann zu begraben. Die Tränen verwischen ihren Mascara und Eyeliner, kleine schwarze Spuren laufen ihr Gesicht hinunter. Ich bin noch immer nicht fähig etwas zu sagen, fühle mich emotionslos, fast schon leer, wie so oft in den letzten Tagen und blicke sie nur liebevoll an.

Dann lächelt sie sanft, unsere Augen halten sich gegenseitig fest. Dunkelblau auf braun, braun auf dunkelblau, alles andere zählt nicht. Sie lacht leise und weint zugleich, ich erwidere mit einem Lächeln und mit einem Kopfnicken, weil ich weiß, dass sie etwas sagen möchte.

„Du bist der erste der mich weinen sieht“, sagt sie und wischt sich durchs Gesicht. Ich versuche mir jede einzelne Geste von ihr ganz tief in mein Gedächtnis einzubrennen, versuche ihr Bild, ihr sanftes Gesicht, die wundervollen zarten Hände, wie sie über meine streichen, ihren Kuss weichen Mund, die herrlichen braunen Augen, die schönsten dieser Stadt, einfach alles einzufangen und wenigstens das zu behalten. Dieser eine Augenblick bleibt mein gedanklicher Besitz, den kriegt der Himmel niemals zurück.

Es ist nicht das Ende, wir fangen nur noch einmal an. Du bei dir zu Haus und ich bei mir in der Heimat. Es ist nicht das Ende, es ist bloß ein Neuanfang.

„Eine Beziehung mit dir wäre wundervoll geworden, wir hätten sehr gut zusammen gepasst“, sie kann nicht aufhören zu lächeln, sie kann nicht aufhören zu weinen. Ihre Worte schmerzen und fühlen sich gut an, sie sind richtig und ehrlich. „Ich hätte dich lieben können“, fügt sie leise hinzu. Ich knie weiter einfach vor ihr, halte mit meinen Händen ihre fest. Möchte sie nicht los lassen, kann es nicht übers Herz bringen und weiß doch, dass es sein muss, nicht jetzt, aber im Morgengrauen, wenn ich die Stadt verlasse, nehme ich das als Erinnerung mit. Dann sind die Räume nicht mehr leer, alles andere lasse ich ruhen.

„Warum schaust du mich die ganze Zeit so an?“ fragt sie neugierig. Aber ich denke die Antwort kennt sie, „sag doch was“, fordert sie mich mit ihrer unablässigen Art auf. Ich kann nichts sagen. Ich schüttele langsam meinen Kopf und ihre gesamte Anwesenheit verzaubert mich. Meine Gefühle strömen durch den gesamten Körper, ich lege einen Arm um ihre Taille, berühre vorsichtig, fast schon schüchtern ihren Bauch und meine Augen sind glasig. Ich weine leise, während ich sie einfach weiter anschaue, dann, nur einen Augenblick später, eine Ewigkeit in Gedanken und Welten versunken, ich kann es nicht beschreiben, stürzt die Wahrheit und die Liebe über mich, über uns herein. Meine Tränen kullern groß und glitzernd die Wangen hinunter. Ich drücke meinen Kopf auf ihren Bauch, berühre leicht ihren Busen und weine, und schluchze. Vielleicht merken wir jetzt zum ersten Mal, dass all ihre und meine Worte wahr sind, vielleicht versteht sie jetzt zum ersten Mal, dass mein Herz für sie schlägt und erwidert die Umarmung und vielleicht wussten wir all das schon viel früher und haben es uns nicht zugestanden, haben es nicht ausgesprochen und haben unsere Zeit vergeudet. Dann drückt sie mich fest an sich, gibt mir einen Kuss auf den Kopf, die Wange, auf den Mund und versinkt auch in Tränen.

Ich weiß du denkst sehr oft an mich, doch es muss weitergehen. So bleibt die Erinnerung das einzig Stetige, bis wir uns wiedersehn.

„Was machen wir bloß?“ fragt sie. Aber eine Antwort kann ich auch jetzt nicht geben. Es schmerzt in Brust und Bauch, das Herz pocht wie wild und alles dreht sich. Wenn wir das nur etwas eher gewusst hätten, wenn wir nur ein wenig eher auf unsere Herzen gehört hätten. Ich habe auf mein Herz gehört, denke ich, denn ich gehe nach Hause zurück. Ich verlasse deine Welt und meine Geister. Ich kann kaum ausatmen, fühle mich eingeengt und frei zugleich, verstehe nichts mehr.

Die Zeit hat aufgehört zu existieren, lediglich die Uhr rast und gönnt uns nichts. Die letzte Flasche Wein, die wir hier zusammen trinken werden, steht neben uns auf dem Tisch. Die Letzte von vielen. Die Gläser sind frisch eingegossen. Wir lösen unsere Umarmung, lassen uns aber nicht los, jede Nähe, jede Berührung ist im Moment alles wert. Ich reiche ihr ein Glas, nehme das andere. Beenden wir womit alles anfing, stoßen wir darauf an, dass wir uns über den Weg gelaufen sind und dass wir uns in die Augen blickten.
„Trinken wir aufs Leben und aufs Glück“ sage ich vorsichtig. Was auch immer Glück bedeuten mag. Sie blickt mich freundlich an, weiß was ich meine und ihre Augen funkeln, sie schüttelt langsam den Kopf. „Trinken wir auf uns, nur auf uns“ sagt sie lächelnd und stößt an. Die Berührung der Gläser ist kurz, fast zaghaft, dann trinken wir. Der Wein schmeckt süßlich, wehmütig, aber gut. Er schmeichelt der Kehle und lässt die Lippen verführerisch glänzen. Wir beugen uns vorsichtig nach vorne und küssen uns, als wäre alles wie immer, als wäre alles gut. Als würde alles Bestens werden. Es gibt nicht viel was die Seele berühren kann. Ein guter Wein, eine große Melancholie, fast unendliche Traurigkeit und ein tiefer, langanhaltender Kuss gehören dazu. Wann werde ich sie wieder sehen? Diese Gedanken schießen bruchstückhaft in meinem Kopf hin und her, werden aber durch ihre Leidenschaft verdrängt und wir geben uns einander hin. Wann wird sich diese Nacht wiederholen?

Zwischen zwei Träumen

Doch es dauert nicht mehr lang, dann werden wir uns sehn. Ich werde dich niemals vergessen, kannst du das verstehen. Wir werden die Ewigkeit erobern, ich weiß du denkst sehr oft an mich.

Wir liegen auf der Couch, halten uns gegenseitig fest, schenken uns Wärme und Nähe, blicken uns tief in die Augen. Die Flasche Wein nähert sich unaufhörlich dem Ende, genauso wie es unsere gemeinsame Zeit tut.
Ich strecke meine Seele, lege mich in deinen Arm. Zuflucht scheint nur hier, fern der gesamten lauten Welt, diesem Lichterland. Heimat ist nur bei dir,
das denke ich und neuer Kummer steigt in mir auf.

„Vielleicht hast du die Stärke, einen Teil deines Lebens hier zu behalten, ihn zu pflegen und irgendwann so aufblühen zu lassen wie wir beiden es uns so lange gewünscht hatten, “ sagt sie, leert ihr Glas und stellt es zurück auf den Tisch. „Ja, “ murmel ich, „das möchte ich. Das möchte ich so sehr.“ Ich weiß, dass ich es wirklich will, ich weiß nur nicht wie ich es anstellen soll. Ich leere auch meins und stelle es neben ihres. Sie nimmt die Flasche und gießt uns zum letzten Mal ein. Sie lächelt mich wieder an, ihre Tränen sind längst getrocknet, aber wir beide wissen, dass es sicher nicht die letzten für heute und für die nächsten Wochen gewesen sein werden. „Wenn du darin wirklich noch Hoffnung siehst, dein Herz dir sagt dass du weitermachen willst, gib mir nur ein kleines Zeichen“, sagt sie und ich spüre wie ehrlich sie jedes Wort meint. „Das werde ich machen“, sage ich rau in ihr Ohr, „das werde ich machen, bitte glaube mir.“ Dann trinken wir beide unsere Gläser in einem Zug aus.

Eine endlose lange Zeit wie zwischen zwei Träumen vergeht. Die Nacht hat uns die Augen verbunden, hat uns weiß machen wollen, dass alles für immer ist, doch das ist es nicht. Nicht heute. Ich lasse mich gänzlich fallen, drücke dich fest an mich und verliere die letzten Tränen bei dir. Meine Gedanken gehören nur dir und ich weiß, dass ihre bei mir sind. Dann verliere ich den halt zur Wirklichkeit, ziehe mich zurück und falle ins Dunkel meiner Seele. Die Erinnerung schläft mit mir ein, deine Augen, dein Lachen und deine Umarmung begleiten mich bis tief in die Träume. Schenk mir Hoffnung und den Grund am Morgen wieder aufzuwachen.

Zwischen einem flüchtigen Traum und einem ganzen Leben verlasse ich dich. Hinterlasse nicht viel, außer neuen Wunden auf Herz und Seele.

Im Morgengrauen verlassen wir die Stadt, die Luft ist klar und kühl, der Himmel ist dunkelblau und schwarz, der Atem wirft eine kleine Wolke aus. Die Blätter fangen an von den Bäumen zu fallen, mir ist kalt, der Sommer ist mit dir gegangen. Mit Tränen und Angst bin ich ins Auto eingestiegen und fühlte mich hilfloser denn je. Nun sitze ich gedankenverloren auf dem Rücksitz, denke an die letzten Wochen und Monate, weine bitterlich während draußen Sträucher und Bäume vorbei rauschen. Die Sonne ist noch nicht auszumachen, lediglich die ersten Strahlen erhellen den Himmel und erwärmen die frische Nachtluft.
Freunde, denke ich, bringt uns nach Hause. Ich würde am liebsten die Tür aufreißen und zurück laufen, der Sehnsucht in die Arme. Es bleibt eine Menge, doch die letzte Nacht sitzt tief in den Knochen.

Ich erinnere mich gern an diese Zeit, an so viel Neues, meine Welt hat sich vergrößert. In meinen Träumen werde ich dich wiedersehen. Es war wunderschön.
Wir fahren Richtung Heimat, ich fahre Richtung Schicksal.
Wir sehen uns wieder…

Julian Alexander Post
28.11.2009
für den 05.11.2009

…und für die Eine dort,
die mich mit einem einzigen Blick überraschte. Die mir jeden Tag in die Augen sah ohne ein Wort zu sagen. Dafür dass wir uns verrennen mussten um uns zu finden, dafür dass wir unaufhörlich auf unser Herz hören und dafür wie nah wir dem Glück oft sind.
Die an mich glaubte und nicht an mich glaubte.

Sei mein Licht, sei mein Wort.
Wenn ich eine Unendlichkeit auf dich warten muss, um dich wiederzusehen, so möge es geschehen.
Wenn ich tapfer sein muss, wenn ich Mut aufbringen muss, um in deine Augen wieder blicken zu dürfen, so will ich es sein.

08.05.2010 – Nachtrag

Durch den Nebel der Vergangenheit blicke ich nur noch selten. Es kommt mir nicht wie mein eigenes Leben vor, nur eines, das ich Testweise geführt habe. Die Worte von damals klingen nicht mehr nach, die Taten von einst sind nicht unvergessen, doch berühren sie mich heute nicht mehr. Es gibt nichts an das ich mich zu klammern brauche, die Vergangenheit ist nichts, die Zukunft ist alles. Ich sitze alleine in einer kalten Badewanne, grausige Bilder von all dem was mich umgibt blenden sich bruchstückhaft ein, ich glaube man nennt es Leben. Ich denke, dass ich weiß, dass es mein Leben ist welches sich ändern muss, welches besser schöner, langsamer und gesünder werden soll. Ich verharre nicht gern in Lauerstellung, ich warte nicht mal gern auf irgendetwas, doch ich sehe da etwas am Horizont. Also gehen wir los, gehe ich zusammen mit dir, holen wir uns ein Stück von unserem Glück zurück.

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