Hey, kommst noch mit ins Easy - Kurzgeschichte

Easy

Und wenn du mit dem Rücken auf dem Boden liegst, ja dann gehen dir ganz seltsame Dinge durch den Kopf. Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Alles altbekannte, langweilige Fragen. Ganz ehrlich: Interessiert dich dieser Mist wirklich? Herb fragt mich, wenn er betrunken ist und daher getorkelt kommt, solche Dinge. Vielleicht findest du es heraus, vielleicht auch nicht, aber mich kannst du damit nicht verrückt machen. Was solls, denke ich, wir sind jetzt halt hier.

Drehen uns oft im Kreis, hinterlassen nicht viel, zu wenig, um in Erinnerung zu bleiben.

Ich bleibe verschwenderisch, trauer keiner Liebe nach, wechsel die Gegebenheiten genauso oft wie die Situationen. Ich lebe! Um zu leben, um aufzusteigen. Ich hasse Stetiges, ich hasse diese Leben, eingepfercht im Reihenhaus, mit einer Frau, die genauso aussieht und genauso dumm, wie die Nachbarsfrau ist. Nur mit dem Unterschied, dass man die andere immer ins Bett bekommen will und es auch nicht schwer ist. Das ist stumpfsinniges Leben. Alles soll geplant werden, geplant sein? Vom Frühstück bis zum zu Bett gehen, nichts dem Zufall überlassen? Von der Geburt, in diese tickende Welt, bis hin zum traurigen Tod. Alle sagen dasselbe, alle denken das Gleiche, alle handeln wie die Person vor und die Person hinter ihnen in der Schlange. Alles gleich. Ich bin schon vor langer Zeit ausgebrochen, hab meinem Leben ein Ende bereitet, meine eigenen Regeln aufgestellt und denke endlich selber.

Herb schaut mich bei diesen Worten immer wirr und zugeknöpft an. Ich denke, er weiß selber nicht, was er will. Ja, ich denke selber. Ich bete nicht den gleichen Gott wie alle an, esse nicht mehr diese vorgesetzte Suppe und spiele auf anderen Spielfeldern. Das ist die Welt, wie ich sie liebe. Ich befinde mich im freien Fall nach oben, ganz nach oben. Ohne Umwege auf den Olymp. Ich fliege und wenn ich Glück habe, ja wenn ich es richtig angehe, wird alles richtig gut werden. Werde ich wirklich glücklich von dieser Erde steigen. Ich falle gern nach oben.

Wir lernten da dieses Mädchen kennen, in einem verrauchten Schuppen namens Easy Life. Mädchen, Schlampe, Schönheit oder einfach ihr Haar brannte wie Feuer, sie wird alles das schon gehört haben. Easy? Hey kommst noch mit ins Easy! Das ist der Standardspruch von meinem alten Freund Herb. Gott wie ich diesen Typen hasse, doch wohin nur mit all der Wut, wenn es nur diese Person gibt, der sie hört? Hier in der Gegend kennt man nicht viele Leute und will sie auch nicht kennen. Also ist so ein alter Schimmelpilz wie Herb das Richtige. Ich glaub, er mag mich ebenso wenig. Nicht wirklich, manchmal denke ich, er sitzt in der gleichen Patsche wie ich. Will nicht mitspielen, muss es aber. Er fleht häufig nach einem besseren Leben.

Wir waren jeden Freitag im Easy. Es war leicht, wir lernten dort immer Frauen kennen, deren einzige Aufgabe darin zu bestehen schien, sich volllaufen zu lassen und zwei Idioten wie uns kennenzulernen. Dumm und glücklich. Sie nahmen einen mit nach Haus, denn als wirklicher Outsider der Gesellschaft, Herb bezeichnete sich gern so, liegt die eigene Welt, dass zu Hause in Schutt und Chaos. Er war ein richtiger Spinner, was dieses Outsider-Gelaber anging, aber dagegen konnte ich nichts machen. Ich hörte es, und ich vergaß es auch wieder schnell.

Hey, kommst noch mit ins Easy - Kurzgeschichte

Hey, kommst noch mit ins Easy?

Diese eine Frau, die wir kennenlernten, war wild, ungezähmt und wirkte mit ihren knallrot gefärbten Haaren wie der Teufel persönlich. Scheiße , mittlerweile denke ich sogar, dass sie der Teufel war. Das war es also. Das Mädchen meiner Träume. Wie gesagt, ich stand nicht auf diese normalen Dinge. Mir waren die Sprüche über rothaarige Frauen total egal, darum ging es mir nicht. Möglich, dass unten die Hölle los ist, möglich, dass sie ungezügelter sind. Herb sabberte sich nur das Hemd voll, als sie zu uns rüber kam, ich bewunderte ihr strahlendes Gesicht und das Feuer, das ich in ihr sah.

Jetzt stehen wir mit unseren Bieren hier. Ich philosophiere mir meine Gedanken zusammen. Und sie will etwas. Das sehe ich. Sie ist eine oder zwei Klassen über uns. Doch man kann es mal versuchen. Sie lächelt uns an. Mitten im Easy. Die Musik wummert über uns, hinter uns und neben uns. Es stinkt nach Rauch, Bier und Herbs Speichel. Ich will die Initiative ergreifen, etwas sagen, sie für mich gewinnen. Denn Herb und ich hatten eine Abmachung. Wer ein Mädchen zuerst anspricht, hat alle Rechte. Das klingt komisch, aber ist es nicht. Wenn ich sie zuerst anspreche, weil sie mir gefällt, muss er mir helfen, dass es mir gelingt sie ins Bett zubekommen. Das ist nur fair. Die rothaarige Schönheit ist anders. Sie wackelte nicht sturzbetrunken vor uns mit ihrem Hintern rum und wartet darauf, bis einer von uns beiden sich traut, sie anzugrapschen. Nein, sie kam zu uns herüber gelaufen. Sie wirkt nicht betrunken, sie wirkt frisch, nicht verbraucht. Sie spricht Herb direkt an, während ich wie ein nasser Sack einfach nur daneben steh. Sie flüstert ihm ins Ohr und ihre langen Finger berühren sanft seinen Hemdkragen. Reglos steht er nur da, lauscht ihren Worten und nickt hin und wieder.

Verdammt! Habe ich etwas verpasst? Sie streichelt langsam über seinen Nacken und den Hals. Das war mir neu, verkehrte Welt. Dieser Stinkmorchel wird angesprochen? Und ich ignoriert? Vielleicht fragt sie ihn nur nach einer Zigarette, vielleicht will sie einen Drink spendiert haben. Dann wäre es leichte Beute Herb zu überreden und für diesen Abend auszunehmen. Aber wie sie ihn anfasst. Solche Frauen machen das bei ihm nicht freiwillig. Sie dreht sich langsam von ihm weg, schaut ihm dabei fest in die Augen und kommt dann zu mir und beugt sich leicht nach vorne, um in mein Ohr zu flüstern.

Frag ihn.

Das war alles. Mehr nicht. Sie sagte nur, frag ihn. Dann dreht sie sich in ihrer Hautengen Jeans um und geht Richtung Tanzfläche. Sie bewegt sich traumhaft, anziehend, diese Frau will ich, noch heute Abend. Ich geh zu Herb, der ihr immer noch wie gebannt nachschaut, und blicke ihm verdutzt in die Augen. Er registriert mich gar nicht. Ich rüttele an seinem Körper. Jetzt endlich schüttelt er sich frei. Starrt mir wie ein Verrückter in die Augen. Verdammt, er war ein verrückter, dass wusste ich doch schon lange. Ich zucke mit den Schultern und deute auf die Tanzfläche.

Was hat sie zu dir gesagt? Schrei ich ihm durch den Dunst aus dumpfen Bässen und Qualm entgegen. Er versteht mich nicht, beugt sich zu mir nach vorn und schreit in mein Ohr. Lass uns raus gehen, hier ist es zu laut.Seine Hand zeigt auf den Ausgang. Ich zucke wieder mit den Achseln und geh ihm nach. Mein Kopf wandert noch einmal Richtung Tanzfläche. Die Rothaarige erwidert meinen Blick mit einem süßen verführerischen Lächeln. Dieses Lächeln sagt alles. Ich weiß, dass ich bereits gewonnen habe. Jedenfalls für heute. Ich würde sie bekommen, ich würde sie spüren und sie schreien hören. Egal wie viel Alkohol noch fließen müsste. Herb zieht mich hinter sich her, bis wir draußen an der frischen Luft sind. Wir gehen schweigend ein paar Meter vom Eingang weg, hier draußen sind einige sich im Vollrausch küssende Paare. Ob sie sich heute kennenlernten oder wirklich zusammen waren, ist uns genauso egal wie den Paaren selbst. Ich schlendere hinter Herb her, der einen leicht schrägen Gang hat. Wir lassen die Pärchen hinter uns und stehen auf dem Hinterhof des Easy.

Hey, kommst mit ins Easy?

Denke ich mir und muss lächeln. Die Luft ist kühl und frisch, tut aber gut. Von drinnen ist nur noch leises Wummern der Musik zu hören. Das Licht fällt genauso schal auf uns, wies ich die Biere im Easy in der Kehle anfühlen. Und, wollte ich wissen, was ist jetzt so wichtig? Was hat sie gesagt? Herb schaut mich nachdenklich an, mustert mich von oben nach unten. Er sieht traurig und müde aus. Diesen Gesichtsausdruck kenne ich. Gleich kommt einer seiner Predigten über diese schlechte Welt. Das wir Outsiders sind und …

Sie sagte, fing er an, ich darf sie heute Nacht ficken. Ich verstehe nicht sofort, was er meint. Nach ein paar Sekunden des Anschweigens macht es Klick. Oh verdammt, denke ich. Das war es also. Er hatte gewonnen und zuerst Interesse bekundet. Okay, so waren die Regeln. Ich hoffte nur, dass er noch so viel trinken wird, dass er gleich umfallen würde. Ich werde ihn liegen lassen und wäre sofort bei ihr. Das hat sie gesagt? Frage ich skeptisch. Ja, antwortet Herb, genau das.

Einfach so? Ich will das wirklich nicht glauben, was Herb mir gerade sagte. Ich glaube, das hat er sich in seinem Rausch einfach ausgedacht. Nein, erwidert er, nicht einfach so. Okay, sage ich langsam, was sollst du machen?
Herb lächelt mich grimmig an. Er hat wirklich schon einen im Tee, denke ich. Diese schäbige Grimasse sieht aus wie ein Klumpen zusammengetretenes Fleisch. Er räuspert sich. Ich soll dich blutig schlagen, sagte sie. Dann darf ich sie ficken. Und weißt du was, ich will sie ficken!

Ich starre ihn nur gedankenlos an. Was für ein Quatsch!, schießt es mir durch den Kopf. Da wäre mir sein Gelaber über die Outsiders und diese verkorkste Welt wesentlich lieber, als diese in Alkohol schwimmenden Drohungen.
Das hat sie gesagt? Frage ich und versuche zwei Schritte Abstand zwischen uns zu bekommen. Man weiß ja nie. Herb blickt mich mit seinen Glupschaugen und dieser Grimasse nur an. Er wirkt ungläubig und gebannt, so als ob er selber noch nicht weiß, was gleich passieren wird. Irgendwie habe ich das Bedürfnis schleunigst wieder rein zu gehen, ein Bier zu trinken und dann mich auf den Weg nach Hause zu machen. Ich bewege mich einen weiteren Schritt nach hinten, plötzlich steht jemand hinter mir. Steht sie hinter mir. Verdammt, ich rieche sie. Ganz deutlich. Ich rieche ihr Parfüm. Verführerisch, leicht wie eine Schlange steigt es in meine Nase. Ich will sie. Heute Nacht. Sofort. Mein Herz klopft. Ich bleibe still. Sie streichelt mir über den Nacken und den Hals, ihre Hand wandert in mein Haar. Verdammte Scheiße, was wird das? Sie sagt nichts. Ich höre sie nur leise in mein Ohr atmen. Rieche ihren wahnsinnigen Duft. Herb schaut direkt an mir vorbei, sieht, wie sie mich anfasst. Ich bleibe regungslos stehen. Ich sollte weg gehen. Nur dieses eine Bier da drin trinken. Doch lähmt mich ihre Berührung, ihr Duft fesselt mich. Ich sehe wie Herbs Hauptschlagader am Hals kräftig pulsiert. Seine Brust hebt und senkt sich, seine Wut steigt immer weiter.

Hey, kommst mit ins Easy? Die Rothaarige umfasst ein Haarbüschel an meinem Kopf. Vergräbt ihre Fingernägel in meiner Kopfhaut. Ein süßer Schmerz, durchfährt Kopf und Nacken. Es ist nicht unangenehm. Ich bin elektrifiziert. Herb macht sich augenblicklich zum Sprung bereit, er will mir wirklich eine runter schlagen, denke ich noch. Soll er doch machen. Dann ist diese obskure Situation, dieser Wahnsinn endlich vorbei. Er spannt seine Muskeln an. Im selben Moment spüre ich wie sich ihre Finger und ihre Hand um meinen Kopf verkrampfen, sie spannt ihre Arme und stößt mich mit ungeheurer Kraft nach vorne. In derselben Sekunde rast Herb mit einem Satz auf mich zu und seine Faust schnellt in Richtung meines Gesichtes. Ich bin unfähig dieses Ereignis abzuwenden, sehe es wie in Zeitlupe geschehen. Seine Faust trifft meinen Kiefer, es knackt und knirscht. Knochen brechen. Ein greller Blitz aus Schmerz und Furcht flackert vor meinen Augen. Ich schmecke Blut durch meine Nase laufen, schmecke es meine Kehle hinab wandern. Durch den heftigen Knall wird mein ganzer Körper nach hinten geworfen. Ich mache einen halben Überschlag, pralle mit dem Kopf auf den Asphalt, erneutes Donnern in meinem Schädel und bleibe auf dem Rücken liegen. Mir ist danach meine Augen zu schließen und liegen zu bleiben. Doch ich darf nicht. Wie paradox all das hier wirkt. Jetzt will ich diesen festen Griff ihrer Hände wieder an meinem Kopf spüren. Mir ist es egal, wenn ich dafür Herb auch eine runter hauen muss. Ich öffne ruckartig meine Augen, und sehe sie aus den Augenwinkeln neben mir stehen.

Herb hält sich seine Faust und kommt auf mich zu geschlendert. Sein Blick ist total irre. Ihm läuft wieder Spucke aus dem Mund. Ich starre ihn vom Boden aus an. Er bereitet sich auf einen neuen Angriff vor. Will er das wirklich machen? Obwohl ich am Boden bin? Er torkelt auf mich zu, hebt seinen Fuß und will mir ins Gesicht treten. Mein Verstand ist hellwach. Zum Glück. In letzter Sekunde reiße ich meinen Kopf herum, und rolle mich auf die Seite, er tritt mit voller Kraft auf den Boden. Mein Kiefer schmerzt, ich spucke Blut auf den Asphalt. Es tropft mir aus Nase und Mund heraus. Ich will etwas sagen, doch alleine der Versuch den Mund zu öffnen schmerzt unendlich. Herb hat nicht gemerkt, dass er mich verfehlt hat. Ich rolle mich noch weiter über den Boden und rapple mich auf. Es gelingt mir, mich auf meine Beine zu stellen. Ich bin benommen und mein Verstand sucht nach einer Antwort auf die Frage was hier gerade passiert.

Die Rothaarige steht nur da und lächelt. Ihr gefällt diese Show. Wir sind solche Dummköpfe. Wie kann Herb sich nur so leicht manipulieren lassen? Ich spucke einen Klumpen Blut und Speichel auf den Boden. Jetzt erst dreht sich Herb zu mir um. Sieht, dass ich wieder stehe und startet seinen nächsten Angriff. Ich schüttele meinen Kopf, sprechen geht nicht. Möchte Herb signalisieren, dass er aufhören soll, aufhören muss.

Um Gottes willen! Hör auf!

Möchte ich brüllen. Herb interessiert sich nicht dafür. Doch diesmal zögere ich keine Sekunde. Noch während er heranstürmt, trete ich einen Schritt zur Seite und verpasse ihm einen Schlag in den Magen. Er sackt nach vorne ein, mein zweiter Schlag trifft ihn im Nacken. Er bricht mit einem hohlen Stöhnen mit dem Gesicht auf dem Asphalt klatschend zusammen. K.O. in der ersten Runde. Er bleibt regungslos liegen. Mein Blut fließt nun in einem Rinnsal aus meinem Gesicht und tropft auf Herb herab. Die rothaarige Fotze lacht und schaut uns weiterhin belustigend zu. Wrm? Schmpe! Brabble ich.

Damit du mich nun ficken darfst.

Antwortet sie völlig normal. Ich denke, ich werde dich gleich ficken, aber das wird dir sicher nicht gefallen, nein, ganz bestimmt nicht. Ich krame in meiner Tasche nach meinem Haustürschlüssel, will ihn als Schlagring benutzen. Lasse Herb liegen und schlendere auf die Schlampe zu. Mein Schädel dröhnt, mein Blick ist verschwommen. Doch mit ihr werde ich noch fertig. Ich schmecke ihren Duft in der Luft. Er schleicht sich trotz des Blutes, meines gebrochenen Kiefers und den Schmerzen in meinem Kopf in mein Gehirn. Sie ist zauberhaft, denke ich. Egal, dann hole ich mir halt meinen Spaß. Sie bleibt nur stehen. Macht keine Anstalten einen Schritt zu weichen, ich humple auf sie zu, hole aus und schnelle mit meinem Schlüssel zwischen den Fingern nach vorne. Kurz bevor ich sie treffe durchzuckt mich ein atemloser Schmerz. Er raubt mir die Luft, er lässt meine Kraft verschwinden. Ich spüre meinen Kiefer nicht mehr und die Welt um mich wird weich. Meine Gedanken schweifen ab. Irgendwohin. An den Anfang dieses Abends und wie gern ich ein Outsider war.

Hey kommst mit ins easy?

Herb. Dieser Mistkerl. Sein Messer. Ich hab es vergessen. Er trägt es immer an seiner Hose. Zur Verteidigung. Falls DIE ihn holen wollen. Ihn, den Outsider. Ich reiße meine Augen auf. Stehe nur wenige Zentimeter von ihr entfernt. Sie, die Rothaarige. Die, die ich haben will. Sie ist wunderhübsch. Ein Traum. Lust und Wahnsinn. Völlig ungläubig starre ich gerade aus. Das ist er, der freie Fall. Ganz nach oben. Ich bin angekommen. Fassungslos diese Situation zu verstehen. Ich sinke auf die Knie. Kann nicht atmen. Höre die Geräusche meines Herzens. Langsames, unwirkliches, asynchrones Pochen. Es pumpt vergebens Blut in eine Richtung. Irgendwo tropft es, plätschert auf den Teer. Ich falle seitlich um. Es dauert eine Ewigkeit. Ich bleibe liegen. Mein Körper ist regungslos. Die Luft geht mir aus. Herb dreht mich mit seinem Fuß auf den Rücken. Die rothaarige Schlampe steht da, belustigt sich an meinem Blut. Zum zweiten Mal heute liege ich ausgebreitet vor diesen langen Beinen. Selbst jetzt erregen sie mich noch.

Ich sehe Herb. Sein Gesicht, eine Trümmerwüste, wie meins. Doch er lächelt. Ich spüre meine Beine nicht. Meine Arme nicht. Die Konturen fangen an zu verlaufen. Alles wird dunkler. Wird schwarz und weiß. Herb hält ein tropfendes Messer in der Hand. Sein Outsidermesser. Auf der anderen Seite, rote Haare und lange Beine. Ein Teufel. Ich verreckte und es freut beide. Sie können nun ficken. Ja das denke ich. Ich sterbe und denke, sie werden gleich ficken.Ich verstehe noch immer nichts. Hoffe auf einen bösen Trip irgendeiner Droge. Atmen geht nicht mehr. Blut verstopft meine Luftröhre. Irgendwo an meinem Rücken klafft eine riesige Wunde. Herb will es beenden. Will mir das Messer noch einmal in den Körper stecken.

Er wird nicht mehr dazu kommen. Ich will noch etwas sagen. Doch mein Kiefer klappert in meinem Kopf. Blut strömt heraus. Ich widere mich selber an. Möchte mich übergeben. Sie. Die Schlampe. Wirft ihre Haare nach hinten. Zieht eine Pistole. Es wirkt so gekünzelt, so unecht, so langsam. Sie lächelt immer noch. Verführerisch anzusehen. Sie zielt. Atemberaubend. Tödlich.

Herb hat keine Zeit verdutzt zu gucken. Er ist zu dumm. Versteht es nicht. Er ist gierig nach Blut, gierig sie zu haben. Sie zu ficken. Denkt es wäre ein Spiel. Vorstellungen seines kranken Hirns. Eine Sekunde vergeht. Nichts. Nur Ruhe. Ich höre noch einen, dann noch einen Herzschlag. Dann der Knall. Er klingt dumpf. Gar nicht schrill und laut. Herbs Kopf wird nach hinten gerissen und seine blöde Grimasse ist endlich verschwunden. Für immer verschwunden. Schade. Er hat nicht einmal entsetzt ausgesehen. Übrig bleibt ein großes Loch in einem Haufen stinkendem Fleisches. Sein Körper taumelt nach hinten und fällt der Länge nach hin. Er bleibt zuckend liegen. Sein Gehirn hat sich hinter ihm auf dem Asphalt verteilt. Armes Schwein. Jetzt hat sie dich gefickt. Gefällt dir das? Ja? Gefällt dir das Herb?

Sie lächelt weiterhin, ja sie lächelt immer. Anregend, erotisch. Gefährlich. Sie beugt sich neben mich, drückt den Revolver feste an meine Schläfe und flüstert mir ins Ohr, jetzt ficke ich dich. Dieser Abend endet, wie er anfing. Beschissen.

Hey, kommst noch mit ins Easy?


Julian Alexander Post
30.13.2012

Bildquelle: Pixybay

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